Fabiana Calsolaro

Dreisprachigkeit im Bündner WEB: ein Spiegel der Wirklichkeit?

  • Inmitten der digitalen Revolution wird der Grad der Mehrsprachigkeit einer Gemeinschaft, in diesem Fall der bündnerischen, auch daran gemessen, ob Minderheitensprachen auf lokalen Websites vertreten sind.
  • In einem dreisprachigen Kanton wie Graubünden haben die Websites einiger der wichtigsten kantonalen Institutionen keine italienische oder romanische Version.
  • Widerspiegelt  die Situation der Minderheitensprachen im Bündner Internet die reale Situation im Alltag?

Diese und andere Fragen haben wir zu beantworten versucht, indem wir die Kommunikationsverantwortlichen der folgenden Institutionen befragt haben, nämlich das Kantonsspital Graubünden, die Psychiatrischen Dienste Graubünden, Graubünden Ferien, die Rhätische Bahn und die Bündner Kantonalbank. Jon Domenic Parolini, Vorsteher des Departements für Bildung, Kultur und Umweltschutz des Kantons Graubünden, kommentierte das Bild.

Nach den neuesten Daten des Amtes für Wirtschaft und Tourismus des Kantons Graubünden betrug die im Kanton Graubünden lebende italienischsprachige Bevölkerung im Jahr 2017 22'140 (13.1 %) von 168'961 Personen und  26'055 (15,4 %) Romanischsprachige. Es mag beunruhigend erscheinen, dass in beiden Fällen die meisten dieser Menschen zur Gruppe der  45- bis  64-Jährigen gehören, d.h. zur vorletzten Altersgruppe, während nur wenige der jüngsten Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen zugehörig sind. Dies könnte darauf hindeuten, dass in den nächsten Generationen die beiden auf dem Gebiet des Kantons Graubünden gesprochenen Minderheitensprachen allmählich verschwinden könnten. Generell ist jedoch zu beobachten, dass die Zahlen seit 2010 im Verhältnis zum Anstieg der gesamten Wohnbevölkerung steigen und im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung konstant bleiben.

Ein Spiegel der schwierigen Situation, in der sich Minderheitensprachen heute in Graubünden (aber nicht nur) befinden, ist im Internet zu finden. Es ist interessant festzustellen, dass im einzigen offiziell dreisprachigen Kanton der Schweiz, in dem diese Besonderheit und der daraus resultierende kulturelle Reichtum mit Stolz und mit Freude wahrgenommen wird, die Websites einiger der wichtigsten kantonalen Institutionen noch immer keine vollständige und zufriedenstellende oder gar keine Version in den beiden kantonalen Minderheitensprachen aufweisen. 

Spiegelt die Situation der Minderheitensprachen auf den Websites die Situation der echten Dreisprachigkeit im Alltag wider? Gibt es eine Diskriminierung von romanischen und in gewisser Weise auch von italienischeren Muttersprachlern, die nicht perfekt zweisprachig sind? Welche Rolle und Macht hat die kantonale Verwaltung in dieser Hinsicht?  Wie dreisprachig ist die Online-Site des Kantons Graubünden? Kann sie als Vorbild für die anderen Institutionen dienen?