Felix Benesch

Polyglotte Sehnsuchtsmelodien

Vico Torriani war ein singender Botschafter der Mehrsprachigkeit – ein bisschen jedenfalls

Der Beitrag behandelt das Leben und die Karriere des in St.Moritz aufgewachsenen Schlager-, Show- und Filmstars Vico Torriani (1920 – 1998) unter dem Aspekt seiner Mehrsprachigkeit.

  • Ein entscheidender Faktor für Vicos einzigartige Karriere war seine Mehrsprachigkeit, die sich in seinem Namen und vielen seiner Lieder widerspiegelte.
  • Er setzte sein internationales Flair bewusst ein und sah sich als Botschafter einer neuen Internationalität. Im versehrten und traumatisierten Nachkriegs-Deutschland fiel das auf besonders fruchtbaren Boden. 
  • Demgegenüber hat Vico das Publikum in seiner Heimat polarisiert, auch in Graubünden haben ihn viele nicht als «einen von uns» akzeptiert. Das war ein nachteiliger Effekt seines internationalen Erfolges und seiner Wandelbarkeit. 
  • Vico war ein Autodidakt und Amateur. Dieser Umstand machte seine Karriere vergleichsweise labil. Er sah sich immer wieder gezwungen, sich den Umständen anzupassen.

Die Karriere des in Celerina/St.Moritz aufgewachsenen Schlager-, Show- und Filmstars Vico Torriani (1920 – 1998) war einzigartig. Bis heute ist er der wahrscheinlich erfolgreichste Unterhaltungskünstler, den die Schweiz jemals hervorgebracht hat. 

Dabei begann Vicos Karriere langsam und er war mit rund 30 Jahren schon in einem ziemlich fortgeschrittenen Alter, als es losging. Seine Startchancen waren zudem alles andere als optimal, er ist in einfachsten Verhältnissen aufgewachsen, bildungsfern, in einer zerrütteten Familie. 

Doch er war von Haus aus viersprachig. Diese Mehrsprachigkeit, die sich auch in vielen seiner Lieder widerspiegelte, dürfte denn auch ein entscheidender Grund für seinen beispiellosen Erfolg gewesen sein. 

Man kann davon ausgehen, dass sein internationales Flair ganz bewusst eingesetzt wurde und er sich selber als Botschafter einer damals neuen Internationalität sah. Im versehrten und traumatisierten Nachkriegs-Deutschland fiel das auf besonders fruchtbaren Boden. 

In der Schweiz hingegen hat man mit Vico immer auch gefremdelt. Das mag an seinen immensen Erfolgen in Deutschland gelegen haben, für die Schweiz war das ja wenige Jahre zuvor noch ein potentieller Kriegsgegner. Aber auch ein weiterer Grund liegt nahe: Im Gegensatz Show-Kollegen wie Peter Alexander, der eine solide Ausbildung durchlief, war und blieb Vico ein Autodidakt und Amateur. Dieser Umstand machte seine Karriere vergleichsweise labil, er verwandelte sich im Lauf der Jahre mehrmals und war zum Ende hin uneins mit sich selber. Er fühlte sich fremdgesteuert.